Nanomaterialien

Nanomaterialien gelten gemeinhin als Partikel im Größenbereich von 1 bis 100 Nanometer (nm). Im regulatorischen Kontext ist allerdings die Größe nicht das einzige ausschlaggebende Kriterium; vielmehr sind auch andere Aspekte zu beurteilen, bevor ein Stoff als „Nanomaterial“ eingestuft werden kann.

Illustration of nanomaterial size

Was den Rechtsrahmen angeht, hat die Europäische Kommission eine Empfehlung zur Definition von Nanomaterialien bereitgestellt, die sich ungeachtet der von einem Material ausgehenden Gefahren oder Risiken ausschließlich auf die Größe der Partikel stützt, aus denen das Material besteht. Diese Definition erstreckt sich auf natürliche, bei Prozessen anfallende und hergestellte Materialien und dient als Grundlage für die Umsetzung regulatorischer Vorschriften für diese Gruppe von Materialien. In einigen Gesetzgebungsbereichen ist die Triebfeder zur Festlegung rechtlicher Verpflichtungen für Nanomaterialien jedoch, dass sie im Vergleich zu größeren Partikeln unterschiedliche Eigenschaften aufweisen können.

Nanomaterialien entstehen auch in der Natur, z. B. in Stäuben oder vulkanischer Asche. Sie können auch unbeabsichtigt aus menschlichen Aktivitäten resultieren (z. B. Autoabgase, brennende Kerzen). Und seit vielen Jahren werden einige Nanomaterialien von der Industrie erzeugt. Mithilfe der Wissenschaft sind wir nun in der Lage, diese Partikel oder Materialien künstlich herzustellen, indem wir technische Prozesse auf Atomebene („Bottom-up“-Prozesse) nutzen.

Rasanter Aufstieg

Aufgrund ihrer Größe können Nanomaterialien einzigartige chemische, physikalische, elektrische oder mechanische Eigenschaften aufweisen, die im Vergleich zum selben Material ohne Nanoformen (häufig als Stoffe in Bulkform oder Massengut-Stoffe bezeichnet) ausgeprägter sind. Aufgrund dieser Eigenschaften können sie besonders geeignet für zahlreiche Anwendungen sein. Dasselbe Nanomaterial kann zudem basierend auf den Unterschieden hinsichtlich Größe, Form der Partikel, Oberflächenveränderungen oder Oberflächenbehandlungen viele Nanoformen aufweisen.

Die Nanotechnologie erlebt derzeit einen rasanten Aufstieg, und auf dem europäischen Markt ist bereits eine Vielzahl von Alltagsprodukten vertreten, die Nanomaterialien enthalten. Genannt sei an dieser Stelle die Entwicklung besserer und effizienterer Batterien, Oberflächenbeschichtungen, antibakterielle Kleidung, Kosmetikerzeugnisse und Lebensmittel.

Nanomaterialien haben ein beachtliches technisches und kommerzielles Potenzial. Die Nanotechnologie wurde von der Europäischen Kommission als eine der Schlüsseltechnologien („key enabling technology“) erkannt. Den Prognosen zufolge werden die Fachkenntnisse und das Know-how auf diesem Gebiet für das künftige Wirtschaftswachstum in der EU eine zentrale Rolle spielen.

Die rasche Zunahme der Verwendung von Nanomaterialien wirft jedoch Fragen hinsichtlich ihrer möglichen Wirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt auf. Es besteht zweifelsohne die Notwendigkeit, die potenziellen Risiken dieser neuen Materialien und insbesondere die Auswirkungen der Veränderung der Oberfläche dieser Partikel angemessen zu beurteilen und zu beherrschen.

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